Das Gesetz Des Zweithänders Gegenübergestellt Zum Gesetz Des Egoisten
Das Gesetzbuch des Zweithänders ist aufgebaut auf den Notwendigkeiten eines Verstandes, der unfähig ist, seine Erhaltung zu gewährleisten. Alles, was aus dem unabhängigen Ich des Menschen hervorgeht, ist gut. Alles, was aus der Abhängigkeit von Menschen hervorgeht, ist schlecht. Der Egoist im unbedingten Sinn ist nicht der Mensch, der andere Menschen opfert, sondern der Mensch, der über der Notwendigkeit steht, andere Menschen zu irgendeinem Zweck brauchen zu müssen. Er wirkt nicht erst durch sie. Er ist von vorneherein nicht auf sie angewiesen. Nicht hinsichtlich seines Ziels, noch hinsichtlich seines Antriebes, weder für sein Denken noch für sein Wünschen noch für die Quelle seiner Kraft. Er ist nicht da für andere Menschen; aber er verlangt auch nicht von andern Menschen, dass sie für ihn da seien. Das ist die einzig mögliche Form der Bruderschaft und der gegenseitigen Achtung zwischen Menschen. Die Grade der Fähigkeiten sind verschieden, doch das Grundprinzip bleibt immer das gleiche: Der Grad der Unabhängigkeit, der Initiative und der persönliche Liebe eines Menschen zu seiner Arbeit bestimmt seine Begabung als Arbeiter und seinen Wert als Mensch. Unabhängigkeit ist der einzige Gradmesser menschlicher Tugend und menschlichen Werts. Das, was ein Mensch ist und was er aus sich macht; nicht was er hat oder für andere Menschen tut. Es gibt keinen Ersatz für persönliche Würde. Es gibt keinen anderen Maßstab für persönliche Würde als Unabhängigkeit. In allen echten Beziehungen von Menschen untereinander gibt es keine Opfer, das der eine Mensch dem anderen bringt. Ein Architekt braucht Auftraggeber, doch er ordnet seine Arbeit nicht Ihren Wünschen unter. Sie brauchen ihn, aber sie lassen sich kein Haus bauen, bloß um ihm einen Auftrag zu verschaffen. Die Menschen tauschen Ihre Arbeit in freiem gegenseitigem Einverständnis zu gegenseitigem Vorteil aus, wenn Ihre persönlichen Interessen miteinander im Einklang sind und beide den Austausch wünschen. Wenn sie ihn nicht wünschen, so sind sie nicht gezwungen, miteinander zu verhandeln. Sie können anderweitig suchen. Das ist die einzig mögliche Form der Beziehung zwischen Gleichgestellten. Jede andere Beziehung ist die zwischen Knecht und Herr oder zwischen Opfer und Henker. Kein Werk kommt jemals durch eine Vielzahl zustande, durch Mehrheitsbeschluss. Jede schöpferische Arbeit wird geleistet unter der Führung eines einzelmenschlichen Denkens. Ein Architekt bedarf einer großen Anzahl von Leuten zur Errichtung eines Bauwerks. Doch er ersucht sie nicht um Abstimmung über seinen Entwurf. In freiwilligem Einverständnis arbeiten sie miteinander und jeder von ihnen ist an seinem Platz und in seiner Tätigkeit frei. Ein Architekt verwendet Stahl, Glas, Beton, Dinge, die andere Menschen hergestellt haben. Doch sie bleiben Stahl, Glas, Beton, bis er sie anrührt. Was er mit ihnen herstellt, ist sein individuelles Erzeugnis, sein individuelles Eigentum. Dies ist nur ein Musterbeispiel für wahrhaftes Zusammenwirken zwischen Menschen. Das Zusammenarbeiten bei der Erstellung einer Zeitung wäre ein anderes.
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