Das Erste Und Oberste Recht Auf Erden Ist Das Ich - Sagt Der Egoist

Das erste und oberste Recht auf Erden ist das Recht auf das Ich. Die erste und oberste Pflicht des Menschen ist die Pflicht gegen sich selbst. Sein Sittengesetz lautet, niemals sein vornehmliches Ziel in anderen Menschen zu suchen. Seine sittliche Verpflichtung lautet, zu tun, was ihm sein Wunsch eingibt, vorausgesetzt, dass dieser Wund nicht in erster Linie von anderen Menschen abhängt. Dies schließt den ganzen Umkreis des schöpferischen Vermögens ein, sein Denken, sein Arbeiten. Doch es schließt nicht mit ein die Sphäre des Gauners, des Altruisten und des Diktators.
Ein Mensch denkt allein und arbeitet allein. Doch rauben, ausbeuten, herrschen – das vermag ein Mensch nicht allein. Raub, Ausbeutung, Herrschaft – das alles setzt Opfer voraus. Das bringt Abhängigkeit mit sich. Das ist das Gebiet des Zweithänders.
Beherrscher von Menschen sind keine Egoisten. Denn sie schaffen nichts. Sie bestehen durch und sind angewiesen auf die Persönlichkeit anderer Menschen. Ihr Ziel liegt in Ihren Untertanen beschlossen, Ihr Tun ist auf Knechtung gerichtet. Sie sind so abhängig wie der Bettler, der Sozialarbeiter und der Bandit. Die Form der Abhängigkeit ist gleichgültig. Doch den Menschen wird gelehrt, diese Zweithänder – Despoten, Imperatoren, Diktatoren – als Exponenten des Egoismus anzusehen. Durch diesen Betrug werden sie veranlasst, das Ich zu vernichten, bei sich selbst und bei anderen Menschen. Der Zweck dieses Betruges ist, die schöpferischen Menschen zu vernichten oder sie an den Wagen zu spannen. Was auf das gleiche hinausläuft.
Vom Anbeginn der Geschichte haben sich zwei Gegenspieler gegenübergestanden: Der Schöpfer und der Zweithänder. Als der erste das Rad erfand, hat der erste Zweithänder den Gegenzug getan. Er erfand die Nächstenliebe.
Der schöpferische Mensch aber – verleugnet, verleumdet, verfolgt, ausgebeutet – schritt seines Weges, weiter, vorwärts und riss die ganze Menschheit mit durch seine Tatkraft. Der Zweithänder indes, was steuerte er zur Entwicklung bei? Nichts als die Hindernisse und Hemmungen. Der Widerstreit hat noch einen anderen Namen: Individuum und Kollektiv.
Das Allgemeinwohl eines Kollektivs – heiße es nun Rasse, Klasse oder Statt – war noch immer der Anspruch und die Rechtfertigung jeglicher Tyrannei, die über Menschen aufgerichtet wurde. Alle großen Greuel der Geschichte wurden begangen im Namen eines altruistischen Motivs. Hat eine einzige Handlung der Selbstsucht jemals ein Blutbad im Gefolge gehabt gleich den Metzeleien, wie sie fort und fort von den Jüngern des Altruismus veranlasst wurden und werden? Liegt die Schuld dafür an der Heuchelei der Menschen oder in der Natur des Prinzips? Die grauenhaftesten Schlächter waren immer die, die aus aufrichtigster Überzeugung handelten. Sie glaubten an die vollkommene Gesellschaft, die durch Guillotine und Erschießungs-Kommandos erlangt werden könne und müsse. Niemand stellte Ihr Recht, zu morden, in Frage, weil sie ja um eines altruistischen Zwecks willen mordeten.