Altmodisch Oder Einfach Nur Uebriggeblieben?

Etwas Übriggebliebenes, Altmodisches. Aber in jedem Unsinn steckt ein Zweck. Verliere Deine Zeit nicht damit, eine Narretei zu untersuchen, frage bloß, worauf sie hinausläuft. Jedes ethische System, das bisher Opfer und verzicht gepredigt hat, ist zu einer Weltmacht geworden, die Millionen von Menschen beherrscht. Natürlich muss man das richtig aufziehen. Man muss den Leuten sagen, sie würden eine höhere Art von Glück gewinnen, wenn sie das aufgäben, was sie eigentlich glücklich macht. Dabei braucht man sich gar nicht allzu klar auszudrücken. Nur große, verschwommene Wort gebrauchen: „Harmonie des Universums“ – „Ewiger Geist“ – „Göttlicher Endzweck“ – „Nirvana“ – „Paradies“ – „Rassische Überlegenheit“ – Diktatur des Proletariats“. Das ist Korrumpierung von innen. Die älteste von allen. Die Posse geht jetzt schon Jahrhunderte lang und immer noch fallen die Menschen darauf hinein. Dabei gibt es einen so einfachen Prüfstein: Du brauchst bloß dem Propheten zuzuhören, und wenn er von Opfer zu reden anfängt, dann lauf, was Du laufen kannst. Lauf schneller weg als vor der Pest. Er ist doch nur klar mit dem Verstand zu erfassen, dass da, wo Opfer gebracht werden, einer die dargebrachten Spenden einsammelt. Wo ein Mensch dient, ist immer ein anderer, der bedient wird. Wer Dir von Opfer spricht,  der redet eigentlich von Sklaven und Herren. Aber er will natürlich der Herr sein. Wenn Du jedoch einen Menschen sagen hörst, Du solltest glücklich sein, das sei Dein natürliches Recht, ja es sei Deine erste Pflicht gegen Dich selbst – dieser Mensch stellt Deiner Seele nicht nach. Das ist ein Mensch, der von Dir nichts zu gewinnen sucht. Aber tritt er bloß auf, dann kreischt sich alles die Kehlen wund und heult sich gegenseitig die leeren Schädel voll, das sei das selbstsüchtige Ungeheuer, Und so geht das Schwindelgeschäft seinen sicheren Gang weiter durch die Jahrhunderte hindurch. Eigentlich hätte man hier etwas merken müssen, ich sagte „mit dem Verstand erfassen“. Hier ist es doch ganz deutlich geworden, der Mensch verfügt über eine Waffe: Verstand, Vernunft. Man muss also vor allem danach trachten, ihm diese Waffe zu nehmen. Da muss man die Stützbalken wegsägen. Aber vorsichtig sein. Nicht alles gänzlich ableugnen. Nie etwas mit Stumpf und Stiel ableugnen; damit gibt man seine Trümpfe aus der Hand. Nicht sagen: Vernunft ist ein Über, das Böse an sich – wenn auch einzelne Leute damit erstaunliche Erfolge erzielt haben. Man braucht bloß zu sagen: die Vernunft hat Ihre Grenzen. Es gibt etwas, das über Ihr steht. Was? Auch darüber braucht man nicht allzu deutlich zu werden. Das Gebiet ist unerschöpflich. „Trieb“ – „Gefühl“ – „Offenbarung“ – „göttliche Eingebung“ – Intuition“ – „Dialektischer Materialismus“. Wenn Dich einer bei einem kitzeligen Punkt erwischt und zu Dir sagt, Deine Lehre laufe dem Verstand zuwider – dann ist er reif für Dich. Dann erzählst Du ihm, dass es über dem Verstand noch etwas gibt. Hier dürfe nicht mehr gedacht, hier müsse gefühlt werden. Geglaubt! Glauben müsse man, nicht denken. Hebe die Vernunft auf, und alle Deine Trümpfe stechen. Dann geht alles wie geschmiert, wie Du es willst und wann Du es brauchst. Dann hast Du ihn im Sack. Kann man einen denkenden Menschen beherrschen? Wir wollen und wir brauchen keine denkenden Menschen.“