Selbstmanagament Mit Dem Strom Schwimmen

Den Menschen wird gelehrt, Ihre erste Sorge müsse sein, die Leiden der Nebenmenschen zu lindern. Doch Leiden ist eine Krankheit. wird einer davon befallen, so leihe man ihm gewiss Beistand und Hilfe. Doch dies als höchsten Gradmesser der Tugend aufzustellen, das bedeutet, das Leiden zum wichtigsten Bestandteil des Lebens zu machen. So muss der Mensch wünschen, andere Menschen leiden zu sehen, damit er seine Tugend beweisen könne. Darin besteht die Nächstenliebe aber nun einmal. Der schaffende Mensch ist nicht eingestellt auf Krankheit, sondern auf Leben. Dessen ungeachtet haben schaffende Menschen eine Krankheitsform nach der anderen ausgerottet aus dem Leib wie aus dem Geist des Menschen und mehr Linderung von Leiden herbeigeführt, als alle Altruisten zusammen sich jemals vorstellen konnten.
 Den Menschen wird gelehrt, es sei eine Tugend, mit andren Menschen einer Meinung zu sein. Doch der schöpferische Mensch ist der, dessen Meinung abweicht. Den Menschen wird gelehrt, mit dem Strom zu schwimmen. Es sei eine Tugend, mit dem Strom zu schwimmen. Doch der schöpferische Mensch ist der, der gegen den Strom schwimmt. Den Menschen wird gelehrt, es sei eine Tugend, zusammen zustehen. Doch der schöpferische Mensch ist der, der allein steht.
 Den Menschen wird gelehrt, das Ich sei gleichbedeutend mit dem Bösen und Selbstlosigkeit sei das Ideal der Tugend. Doch der schöpferische Mensch ist der Egoist im absoluten Sinn des Wortes; der selbstlose Mensch aber ist der, der nicht denkt, nicht fühlt, nicht urteilt und nicht handelt. Denn dies alles sind Funktionen des Selbst.
 Hier aber wird die Umstülpung, das Unterste-zu-oberst-kehren ganz und gar tödlich. Die ganze Frage ist in Ihr Gegenteil verkehrt worden und dem Menschen ist überhaupt keine Wahl gelassen worden – und keine Freiheit. Als Pole des Guten und des Bösen werden ihm zwei Begriffe gezeigt: Egoismus und Altruismus. Der Sinn des Egoismus liegt, so wird behauptet, darin, dass andere dem Selbst geopfert werden; des Altruismus dagegen, dass das Selbst den andern geopfert wird. Das bindet den Menschen unwiderruflich an andere Menschen und lässt ihm nur die Wahl zwischen zwei Schmerzen: Dem Schmerz, den er selber um anderer Menschen willen auf sich nimmt und dem Schmerz, den er andern Menschen zufügt, um seiner selbst willen. Wenn dann noch hinzugefügt wird, der Mensch müsse Freude finden am Selbstopfer, so ist die Falle geschlossen. Damit wird der Mensch gezwungen, den Masochismus als sein Ideal anzunehmen – unter der Drohung, es bleibe ihm keine andere Alternative als der Sadismus. Dies ist der größte Betrug, der jemals an der Menschheit verübt wurde.
 Das ist die Devise, unter der Abhängigkeit und Leiden als Grundlagen des Lebens verewigt werden.

Doch die Wahl liegt nicht zwischen Selbstaufopferung und Beherrschung. Sondern zwischen Unabhängigkeit und Abhängigkeit. Zwischen der Gesetzestafel des Schöpfers und der Gesetzestafel des Zweithänders. Das ist die grundlegende Frage, um die es geht. Sie beruht auf der Alternative zwischen Leben und Tod. Das Gesetzbuch des schöpferischen Menschen ist aufgebaut auf den Notwendigkeiten des denkenden Verstands, der dem Menschen erlaubt, sich zu erhalten.