Das Werkzeug Zur Menschlichen Freude

Dann gibt es noch einen dritten Weg:
Töte durch Gelächter. Lachen ist ein Werkzeug der menschlichen Freude. Lerne, es als Werkzeug der Zerstörung zu benutzen. Wandle es ab zu höhnischem Grinsen. Das ist einfach. Sage ihnen, sie sollten über alles lachen. Sage ihnen, Sinn für Humor sei eine Tugend, die keine Grenzen kenne. Nur nichts unantastbar Heiliges in der Menschenseele lassen – dann wird ihm seine Seele nicht mehr heilig sein. Töte die Ehrfurcht ab, und Du hast den Helden im Menschen getötet. Ehrfurcht mit Gekicher, das gibt es nicht. Er wird sich fügen, und seiner Fügsamkeit sind keine Grenzen gesetzt… dann geht alles wie geschmiert… nichts ist mehr ernsthaft.

Hier ist ein weiterer Weg:
Ein hochbedeutsamer. Erlaube den Menschen nicht, glücklich zu sein. Glück ist etwas in sich selbst Geschlossenes, Glück ist etwas sich selbst Genügendes. Glückliche Menschen haben für Dich keine Zeit und keine Verwendung. Glückliche Menschen sind freie Menschen. Töte also Ihre Freude am Leben ab. Nimm ihnen weg, was ihnen teuer oder wichtig ist. Gib ihnen nie, was sie wollen und brauchen. Lasse sie fühlen, dass alleine die Tatsache eines persönlichen Wunsches von Über ist. Versetze sie in einen Zustand, in dem „Ich will dies, ich will jenes“ zu sagen, kein natürliches Recht mehr ist, sondern ein beschämendes Eingeständnis.
Dafür ist Altruismus ein probates Hilfsmittel. Unglückliche kommen zu Dir. Sie brauchen Dich. Sie kommen um Trost, um Hilfe, um Zuflucht. Die Natur erlaubt kein Vakuum. Entleere des Menschen Seele und es ist Dir überlassen, mit was Du den Hohlraum füllen willst. Das ist das älteste Verfahren von allen. Blicken Sie nur auf die Geschichte zurück. Sehen Sie sich alle großen ethischen Systeme an, vom Orient angefangen. Predigen sie nicht alle Verzicht auf persönliche Freude? Was kommt, wenn man die ganze verwickelte Wortmacherei beiseite schiebt als Leitmotiv zutage: Opfer, Verzicht, Selbstverleugnung. Man kann die thematische Melodie geradezu heraushören: Gib auf, gib auf, gib auf! Werfen wir einen Blick auf die moralische Atmosphäre unserer Zeit. Alles, was Freude macht, von den Zigaretten bis zur Sexualität, vom Anreiz der Ambition bis zu dem des Profits, wird als verderbt oder sündig betrachtet. Weist man bloß nach, irgendetwas mache den Menschen glücklich – und man hat es auch schon der Verdammung ausgeliefert. Dahin sind wir gekommen. Wir haben Glück an Schild geknüpft – und haben die Menschheit bei der Gurgel gepackt. Wirf Deinen Erstgeborenen in den Opferofen… lege Dich auf ein Bett mit Nägeln… gehe in die Wüste und kasteie Dein Fleisch – tanze nicht – gehe sonntags nicht ins Kino – bemühe Dich nicht, reich zu werden – rauche nicht, trinke nicht. Alles auf derselben Linie. Die große, die Generallinie. Toren glauben, derlei Tabus seien einfach dummes Zeug.